Klimaschutz im Kleiderschrank iStock-643379110_g-stockstudio
Team Frankfurt Klimaschutz 2050 Logo

Klimaschutz im Kleiderschrank: Lieber Lieblingsstücke als Wegwerfware!

Die Fashion-Industrie boomt. Längst vergessen sind die Zeiten, in denen es lediglich eine Sommer- und eine Winterkollektion gab. Heute wechselt die Kleidung in den Läden bis zu zweimal im Monat. Laut Statistischem Bundesamt kaufen wir pro Person 56 Kleidungsstücke im Jahr – das macht insgesamt 4.695 Millionen. Wer es schafft, sich dem „Fast Fashion“-Trend zu widersetzen, schützt nicht nur Klima und Umwelt, sondern hat auch mehr und länger Freude an seiner Kleidung.

 

Startseite > Klimaschutz im Kleiderschrank: Lieber Lieblingsstücke als Wegwerfware!

Die Textilindustrie ist ein echter Klimakiller. Sie produzierte im Jahr 2015 1,2 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente – mehr als alle internationalen Flüge und die Seeschifffahrt zusammen. So hat sie sich den Ruf als zweitdreckigste Industrie nach dem Erdöl eingehandelt. Etwa 90 Prozent der in Deutschland verkauften Bekleidung ist importiert. Ein Großteil stammt aus China, Indien, Bangladesch und der Türkei. Bevor eine Jeans in Deutschland über den Ladentisch geht, hat sie meist eine weite Reise hinter sich. Die Baumwolle wurde vielleicht in Kasachstan angebaut und in der Türkei zu Garn gesponnen. Der Stoff wurde in Taiwan gewoben, in Tunesien gefärbt und in Bulgarien veredelt. In China wurde die Jeans genäht – mit Knöpfen und Nieten aus Italien und Futterstoff aus der Schweiz. Fehlt noch der Stonewashed-Effekt, den sie in Frankreich erhielt.

 

Die Transportwege sind nur eines der Probleme

 

Besonders viele Treibhausgase werden beim Färben und Veredeln der Stoffe freigesetzt, zumal in Ländern wie China hauptsächlich Kohleenergie genutzt wird. Außerdem bestehen heute etwa zwei Drittel aller Textilfasern aus Kunststoffen wie Polyester, Polyamid und Polyacryl, deren Produktion sehr viel Erdöl verschlingt. Kleidung aus Baumwolle hat andere Tücken, denn für den Anbau werden riesige Mengen Wasser benötigt. Die Herstellung eines T-Shirts verbraucht im Schnitt 2.700 Liter – ungefähr 18 Badewannen voll. Dafür werden natürliche Wasserreservoirs wie der Aralsee in Zentralasien leergepumpt. Ganz zu schweigen von den Insektiziden, Pestiziden und Düngemitteln, die beim Baumwollanbau zum Einsatz kommen, den zahlreichen Chemikalien, die das Abwasser belasten, und nicht zuletzt den oft unsozialen Arbeitsbedingungen ...

 

Was kann man dagegen unternehmen?

 

Das Offensichtlichste, was wir tun können, ist, weniger zu kaufen. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan. Schließlich wollen wir nicht darauf verzichten, gut angezogen zu sein. Kleider machen Leute. Und was gestern im Trend war, kann heute schon wieder aus der Mode sein. Es ist ein ganz grundsätzliches Umdenken erforderlich – „Slow Fashion“ statt „Fast Fashion“. Wer seinen individuellen Stil findet und ihm treu bleibt, macht sich unabhängig von Modetrends und unterstreicht mit seiner Kleidung die eigene Persönlichkeit.

 

Es klingt paradox, aber künftige Fehlkäufe lassen sich vermeiden, wenn erst einmal eine Bestandsaufnehme erfolgt und aussortiert wird. Was trage ich überhaupt? Worin fühle ich mich wohl? Und was würde ich anziehen, wenn es repariert wäre? Das Ziel ist ein Kleiderschrank mit nichts außer Lieblingsstücken, von denen sich jedes mit anderen kombinieren lässt, und die man gut pflegt und lange trägt. Dann gehört das Phänomen „voller Schrank, nichts anzuziehen“ der Vergangenheit an.

 

Wohin damit?

 

Alles, was repariert werden muss, gehört unter die Nähmaschine – wenn nicht unter die eigene, dann am besten beim Schneider um die Ecke. Doch auch aus Stücken, die auf den ersten Blick ein Fall für die Tonne sind, lässt sich vielleicht etwas Neues gestalten, Stichwort: Upcycling. Im Netz gibt es unzählige kreative Ideen. Zum Beispiel können aus alten Männerhemden, die etwa an Kragen und Manschetten verschlissen sind, interessante Blusen entstehen. Wenn nichts mehr geht, ist immerhin noch ein zweites Leben als Putzlumpen oder Flicken möglich.

 

Gut erhaltene Kleidung, für die man keine Verwendung mehr hat, lässt sich im Secondhand-Laden oder übers Internet weiterverkaufen. Immer beliebter werden Kleidertausch-Partys, die sich schnell selbst organisieren lassen. Wer möchte, kann gut Erhaltenes aber auch bei einer Kleiderkammer vorbeibringen oder an andere soziale Einrichtungen spenden, die sich über die Webseite „Wohin damit?“ finden lassen. Altkleidersammlungen sind dagegen umstritten – nicht nur, weil es viele schwarze Schafe unter den Sammlern gibt, sondern auch, weil generell ein großer Anteil der Kleidung im Ausland weiterverkauft wird. Wenn es trotzdem der Altkleidercontainer sein soll, hilft das Siegel „FairWertung“, einen vertrauenswürdigen zu finden.

Hemd mit Grünem Knopf - Quelle: BMZ
Hemd mit Grünem Knopf - Quelle: BMZ

 

Doch wie schafft man es nun, dauerhaft weniger zu kaufen?

 

Es hilft sehr, sich über das eigene Konsumverhalten bewusst zu werden. So kann ein Jahr lang eine Strichliste für alle Neukäufe geführt werden. Wie weit sind Sie von den 56 Kleidungsstücken entfernt, die pro Kopf in Deutschland gekauft werden? Eine schöne Idee ist es, sich für jedes Kleidungsstück, das schweren Herzens nicht gekauft wurde, das gesparte Geld auf ein separates Konto zu überweisen, um sich davon am Ende des Jahres etwas zu leisten. Statt sich bei (virtuellen) Schaufensterbummeln zu einem unüberlegten Kauf verführen zu lassen, sollte man nur dann gezielt auf die Suche gehen, wenn es notwendig ist. Oft kaufen wir, weil wir uns etwas gönnen möchten. Doch dafür gibt es nun wirklich bessere Alternativen!

 

Und was, wenn etwas Neues hermuss?

 

Secondhand-Läden und Kleidertausch-Partys sind die nachhaltigste Wahl. Kleidung für besondere Anlässe kann man ausleihen oder mieten. Bei Neuware heißt es, in zeitlose, hochwertige und damit langlebige Stücke zu investieren. Billiges, was schon bei der erste Wäsche Form und Farbe verliert, ist auch den kleinsten Betrag nicht wert. Kaufen Sie lieber vor Ort als online ein. So finden Sie schneller etwas, das Ihnen wirklich gut steht und passt, und Sie können sich direkt von der Qualität überzeugen. Zudem fallen Transportwege weg – erst recht, wenn online bestellte Ware wieder zurückgeschickt wird. Zum Teil wird sie als so genannte Ausschussware vernichtet, weil dies mitunter billiger ist, als die Retouren zu bearbeiten.

 

Diese Fragen helfen beim Kleidungskauf:
 

  • Brauche ich das Kleidungsstück wirklich?
  • Kann ich es gut mit anderen Sachen kombinieren?
  • Passt es mir perfekt?
  • Finde ich, dass es mir richtig gut steht?
  • Werde ich es auch in einem Jahr noch anziehen?
  • Überzeugt mich die Qualität?
  • Wie wird es wohl nach den ersten Wäschen aussehen?
  • Wie lange würde ich es bereuen, wenn ich es nicht kaufen würde?

 

Logo Grüner Knopf - Quelle: BMZ
Logo Grüner Knopf - Quelle: BMZ

Garantierte Umwelt- und Sozialstandards

Sehr wichtig sind Siegel, die Umwelt- und Sozialstandards garantieren. Für Kleidung gibt es allerdings sehr viele verschiedene davon. Das Informationsportal Siegelklarheit bietet einen Überblick. Als „sehr gute Wahl“ wird dort etwa das GOTS-Siegel („Global Organic Textile Standard“) bezeichnet. Ein staatliches Siegel für nachhaltige, sozial und ökologisch hergestellte Kleidung ist der „Grüne Knopf“. Modemarken, die ausschließlich faire und ökologische Kleidung anbieten, sind zum Beispiel bei Utopia zu finden.

 

 

 

 

 

 

Wer sich für einen bewussten Umgang mit Mode entscheidet, tut nicht nur der Umwelt und dem Klima viel Gutes, sondern auch sich selbst – und ist vermutlich besser gekleidet als jemals zuvor.

 

Quellen: Ellen MacArthur Foundation: “A New Textiles Economy“; Futurium, Berlin; Grüner Knopf: „Orientierung beim Einkauf“; hessenschau.de: „Klimasünder Kleidung“; Statista: „Bekleidung“; Umweltbundesamt: „Bekleidung“; Quarks: „So macht unsere Kleidung die Umwelt kaputt“; Quantis: „Measuring Fashion“; Virtuelles Wasser: „Wieviel Wasser steckt in 1 kg Baumwolle?“

 

Bildquellen: Frau mit Kleiderstange: iStock-643379110_g-stockstudio, alle anderen Motive auf dieser Seite: Quelle: BMZ

 

| von Team Frankfurt