Markus Gildner von Solgården

Der Bauunternehmer aus Bayern hat seine Arbeit auf Menschen ausgerichtet, die Probleme haben, am regulären Wohnungsmarkt eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Dazu zählen neben Geflüchteten, Alleinerziehende, Geringverdiener und Rentner. In Metropolregionen gehören mittlerweile sogar Familien mit mittleren Einkommen dazu“, erklärt Gildner.

 

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Der Klimaschutz spielte dabei bislang eine eher untergeordnete Rolle. Das änderte sich mit dem gemeinschaftlichen Wohnprojekt „Siedlungsgemeinschaft Niederfeld“, für das im August 2018 Richtfest gefeiert wurde. Betrieben vom Deutschen Roten Kreuz, genutzt von der Stadt Frankfurt am Main unterliegt es den strengen Richtlinien der Stadt. Für Gildner und seine Firma Solgården  bedeutete das, sich intensiv mit Klimaschutz zu beschäftigen. Gesagt, getan: Alle Wohnungen der acht Reihen- und vier Mehrfamilienhäuser im Niederfeld entsprechen komplett den Passivhausvorgaben der Stadt . Insgesamt trifft auf die Wohnanlage Folgendes zu:

  • Wärmeverluste werden konsequent reduziert.
  • Die von den Bewohnern und Elektrogeräten erzeugte Wärme (Abwärme) wird genutzt.
  • Ein großer Anteil des benötigten Stroms wird selbst produziert aus nachhaltigen Energieträgern wie Sonne und Wind.
  • Die darüber hinaus noch notwendige Wärme wird klimafreundlich erzeugt.

Niedriger Heizwärmebedarf durch innovative Gebäudehülle

Passivhäuser basieren auf der Idee, Wärmeverluste konsequent zu reduzieren und bereits vorhandene Wärmequellen zu nutzen. Umgesetzt wird das in der Regel durch eine so gute Wärmedämmung und geringe Lüftungswärmeverluste, dass eine klassische Gebäudeheizung nicht mehr notwendig ist. Alle Wohnungen der Siedlungsgemeinschaft Niederfeld haben einen extrem niedrigen Heizwärmebedarf. Er liegt bei insgesamt 29.788 Kilowattstunden pro Jahr (das sind bezogen auf ungefähr 3.600 Quadratmeter Wohnfläche circa 8 Kilowattstunden pro Quadratmeter) und ist damit sogar um ein Mehrfaches besser als in durchschnittlichen Neubauten in Deutschland.

Dünne Wand mit Dämmwirkung einer klassischen Wand

Möglich ist das unter anderem durch einen innovativen Aufbau der Außenwände aus hochdämmenden Tonziegeln in Verbindung mit einem zusätzlichen Hochleistungsdämmstoff, versetzt mit Silicat-Microballons, vergleichbar mit der Struktur von Aerogelen. Die Wanddicke beträgt insgesamt nur 40 Zentimeter und entspricht der Dämmwirkung von circa 55 Zentimeter eines klassischen Wandaufbaus. „Dadurch haben wir übrigens insgesamt ungefähr 120 Quadratmeter an Wohnfläche gewonnen. Mit diesem Wandaufbau sind wir in völliges Neuland vorgestoßen und haben zusammen mit dem Hersteller eine sogenannte ‚vorhabenbezogene Bauartgenehmigung‘ erwirkt. Beim Dach, bei den Fenstern und der Bodenplatte sind wir ähnlich vorgegangen: Wir haben traditionelle Aufbauten in Frage gestellt, neue Ansätze entwickelt und umgesetzt - und es hat sich gelohnt: Passivhäuser sind in der eher traditionellen Bau- und Immobilienbranche vor allem als kostenintensiv und kompliziert bekannt. Unsere Erfahrung mit der Siedlungsgemeinschaft Niederfeld zeigt dagegen, dass eine entsprechende Gebäudehülle zwar durchaus etwas kostenintensiver ist als die herkömmliche Bauweise. Allerdings übersteigen die eingesparten Energiekosten in weniger als zehn Jahren die zusätzlichen Baukosten“, erklärt Gildner.

Moderne Heiztechnik mit hohem Wirkungsgrad

Ganz ohne Wärmeerzeugungsanlage - insbesondere für das Warmwasser - kommt allerdings selbst ein Passivhaus nicht aus: Im Niederfeld wird die benötigte Wärme mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe produziert. Betrieben mit elektrischer Energie verdichtet sie die Außenluft so stark, dass ihr die vorhandene Wärme entzogen und dem Wasser als Energiespeicher weitergeben wird. Das funktioniert bis zu einer Außentemperatur von minus fünf Grad Celsius. Der Wirkungsgrad der in der Wohnanlage in Niederfeld verbauten Luft/Wasser-Wärmepumpe ist mit etwa 4 vergleichsweise hoch: Sie wandelt die hineingesteckte elektrische Energie in die vierfache Menge an Wärmeenergie um.

Strom möglichst da produzieren, wo er verbraucht wird

Hauptenergiequelle der gemeinschaftlichen Wohnanlage ist die eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach. Ausgestattet mit einem Stromspeicher kann sie die erzeugte Energie speichern. Der bei Sonne vor Ort produzierte Strom steht somit den Bewohnern der Anlage bei Bedarf nachts oder einige Tage lang zur Verfügung. „Strom vor Ort zu erzeugen und zu verbrauchen, ist vor allem deshalb sinnvoll, weil bei dessen Produktion in teilweise veralteten Kraftwerken  und dem Transport bis zum Verbraucher im schlechtesten Fall nur ungefähr 18 Prozent der eingesetzten Energie wirklich in der Steckdose ankommen. Der Rest geht im Kraftwerk und auf dem Weg verloren“, so Gildner. Um allen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden setzt er auf ein „Mieterstrommodell“: Eine als Energieversorger akkreditierte Firma kauft den in der Photovoltaikanlage produzierten Strom auf und verkauft ihn an die Mieter weiter. Sollte der selbst produzierte Solarstrom nicht ausreichen, wird ausschließlich Ökostrom hinzugekauft. Der Anteil von eigens erzeugtem Strom beträgt im Jahresmittel voraussichtlich um die 65 Prozent.

Standardmäßig nur noch Passivhäuser

Für Gildner ist bereits jetzt ganz klar: „Die Passivbauweise hat sich bewährt und ist zukünftig Standard in meinen Wohnbauprojekten. So kann ich eine hohe und zukunftssichere Wohnqualität sowie einen geringen Energiebedarf gewährleisten“, begründet Gildner seinen Entschluss. Initiiert durch das Wohnprojekt „Siedlungsgemeinschaft Niederfeld“ haben seine Projekte somit zukünftig einen sozialen und einen klimaschützenden Schwerpunkt, denn er ist überzeugt: „Klimagerechter Wohnungsbau ist bezahlbar!“ Und die nächste Vision hat er bereits im Blick: Ein „Off-Grid-Projekt“ soll es ermöglichen, völlig unabhängig von zentralen Versorgungsnetzen zu leben und zu arbeiten. 

Energiereferat / Foto: Salome Roessler

| 2 Kommentare | von Team Frankfurt
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2 Kommentare
21. Jan 2019 | 12:45 Uhr
Marion K. sagt:

Hallo,

Wunderbar und eigentlich auch vielen klar.
Würde sofort in ein solches Haus einziehen und es gibt bestimmt auch schon welche.
Darf man fragen wo und mit erschwinglicher Miete??
Bin Rentnerin und suche seit über 2 Jahren bezahlbaren Wohnraum...
L.G.
Marion K.

25. Jan 2019 | 10:28 Uhr
Andreas sagt:

Hallo Marion,
die Wohnungen werden in diesem Fall von der Stadt Frankfurt am Main verwaltet, vom Amt für Wohnungswesen. Hier können Sie sich erkundigen, Telefon: 069 / 212-34742 oder per Mail an info.amt64@stadt-frankfurt.de.
Viele Grüße Andreas
Team Frankfurt Klimaschutz