Ina Mirel und Anne Raven von KIR

Die Energieversorgung des Frankfurter Stadtteils Riedberg soll bis 2030 so umgestaltet werden, dass sie komplett klimaneutral ist. Dann trägt der Stadtteil nicht mehr dazu bei, die Menge an klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre zu erhöhen. Das ist das Ziel der im Januar 2020 gegründeten „Klimaschutz-Initiative Riedberg (KIR)“, die gerade auf dem Weg ist, sich als gemeinnütziger Verein aufzustellen. Ina Mirel und Anne Rave gehören zum siebenköpfigen Gründungsteam. Darin sind sich alle einig, dass der Klimaschutz auch bürgerliches Engagement braucht. Mit der KIR gehen sie lokal voran und laden alle Interessierten zum Mitmachen ein. „Wir möchten Frankfurt-Riedberg gemeinsam mit Stadt und Politik zu einem Klimaschutz-Leuchtturm machen!“, gibt Mirel als Ausblick. Aus Sicht der KIR sind ähnliche Anstrengungen in ganz Frankfurt erforderlich. Gegenüber anderen Stadtteilen hat der Riedberg allerdings den Vorteil, dass die Gebäude im Wesentlichen bereits gut gedämmt sind.

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„Wir möchten Frankfurt-Riedberg gemeinsam mit Stadt und Politik zu einem Klimaschutz-Leuchtturm machen! - Ina Mirel und Anne Rave“

„Wir stoßen auf viel Interesse und positive Resonanz – bei denjenigen, die auf dem Riedberg wohnen, beim Ortsbeirat sowie städtischen und politischen Institutionen“, erzählt Rave. Und Mirel ergänzt: „Viele Menschen möchten etwas verändern, wissen jedoch nicht so genau, wo sie anfangen können. Mit der KIR geben wir Menschen auf dem Riedberg die Möglichkeit, bei Umwelt- und Klimaschutzaktionen mitzumachen. Außerdem können sie sich dadurch kennenlernen und bekommen vielleicht auch Lust, sich stärker zu engagieren und in einem unserer CO2-basierten Projekte mitzuarbeiten.“

Gutes tun und dabei Gleichgesinnte kennenlernen

So bieten die verschiedenen Umwelt- und Klimaschutzaktionen nicht nur die Gelegenheit, dem Stadtteil Gutes zu tun, sondern darüber hinaus Menschen zusammenzubringen und sich zu vernetzen. Beispiele sind das Müllsammeln auf dem Riedberg, der Malwettbewerb zur Klimabotschaft an die Welt oder Projekte wie die „Begrünung des Riedbergplatzes“, „Mehr Bäume für den Riedberg“ und „Naturnahes Gärtnern“. Bei Letzterem geht es um das Anlegen von öffentlichen Blühbeeten mit Wildpflanzen, um Insekten wieder mehr Futter und Brutflächen zu bieten. Solche Aktionen haben bereits gezeigt, dass es auf dem Riedberg sehr viel bürgerliches Engagement gibt. So wurden bislang drei solcher Beete angelegt. Die einmal im Quartal stattfindende Müllsammelaktion mobilisiert bis zu 50 Menschen. Am Malwettbewerb haben rund 30 Kinder aus dem Stadtteil teilgenommen und ihre Klimaschutzbotschaft an die Welt auf der Webseite der KIR veröffentlicht.

Basisarbeit: Wie viel Kohlendioxid produziert der Riedberg?

Ein Kernprojekt der KIR ist „CO2 und wir“: Die Initiative möchte möglichst viele Menschen im Stadtteil dazu animieren, sich mit dem eigenen CO2-Fußabdruck auseinanderzusetzen, beispielsweise mit Hilfe einer Klimakompass-App. Gleichzeitig leistet die KIR mit dem „CO2-Barometer Riedberg“ momentan Basisarbeit, indem sie den CO2-Fußabdruck des Stadtteils insgesamt ermitteln möchte. Das ist die Voraussetzung, um die größten Stellschrauben für grundlegende Veränderungen zu finden: „Liegen diese im Konsum, in der Energieversorgung, der Ernährung oder im Strom?“, so Rave.

Aktuell geht es darum, an entsprechende Daten zu kommen. „Das gestaltet sich in der Umsetzung gerade schwierig. Wir wissen, dass der jährliche Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid in Deutschland ungefähr 11 Tonnen beträgt. Wir prüfen momentan, ob wir es bei dieser Durchschnittsberechnung belassen oder durch eine nochmalige Stichprobe konkreter auf den Riedberg herunterbrechen. Inwiefern das sinnvoll und machbar ist, besprechen wir unter anderem mit der Universität Frankfurt“, erzählt Rave. Anschließend soll möglichst valide und genau in ein- oder zweijährigem Abstand der Ist-Zustand ermittelt werden, um auf dieser Basis konkrete Maßnahmen aufzusetzen oder anzupassen. Dazu zählen Aktionen, die mehr Menschen fürs Radfahren, den Nahverkehr oder den Umstieg auf Elektromobilität begeistern sollen. So setzt sich die KIR bereits jetzt für bessere und sicherere Radverbindungen auf dem Riedberg und in die Innenstadt ein. Der Wechsel zu einem Ökostromanbieter ist für Privatpersonen ein wichtiger und in der Regel einfacher Schritt in Richtung Klimafreundlichkeit. Hierfür stellt die KIR auf ihrer Website zahlreiche Informationen zur Verfügung. Darüber hinaus werden Möglichkeiten erarbeitet, wie eine klimaneutrale Fernwärme- und Stromversorgung für den Stadtteil aussehen kann.

Weniger CO2 durch mehr Solarenergie

Mit dem Projekt „Solar auf den Dächern“ arbeitet die Initiative daran, den Anteil der Solarenergie im Stadtteil auszubauen und dadurch den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Dabei hat die KIR zunächst die privaten Eigenheime im Blick, da die Anlagen dort relativ schnell gebaut werden können. Zahlreiche Tipps und Informationen wurden bereits auf der Website zusammengestellt. Ein Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungs- und Bauamt auch rechtliche und städtische Vorgaben aufzuarbeiten sowie städtische Ansprechpartner zu benennen. So sollen die Ämter bei ihrer Arbeit unterstützt und die KIR-Website zu einer ersten Anlaufstelle bei Fragen zur Solarenergie auf dem Riedberg entwickelt werden. Beantragt wird der Bau einer Solaranlage weiterhin bei der Stadt. Auf der KIR-Webseite erfahren Interessierte schon heute unter anderem,

  • was in der Regel die einzelnen Schritte beim Bau einer Solaranlage sind,
  • was es im Wesentlichen zu beachten gibt und
  • welche Erträge eine Solaranlage in etwa liefern kann.

"Um die Entscheidung zu erleichtern, entwickeln wir gerade so genannte Entscheidungs- und Beispieltypen: Wir fassen die verschiedenen Kriterien, die für den Kauf einer Solaranlage ausschlaggebend sind, in verschiedenen Kategorien zusammen und hinterlegen sie mit den entsprechenden Informationen“, erklärt Mirel. So finden beispielsweise Menschen, denen eine schnelle Amortisierung der Solaranlage wichtig ist, zukünftig alle relevanten Informationen im Überblick. Der auf der Website integrierte Ticker gibt an, wie viele Solaranlagen bereits auf dem Riedberg installiert wurden. Im nächsten Schritt will die KIR auch die öffentlichen Dächer, Schulen, Kirchen und das Einkaufszentrum in den Blick nehmen. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung soll intensiviert werden. Hierbei hoffen Rave und Mirel, gemeinsam einen Rahmen zu schaffen, der Solarenergie noch stärker fördert.

Klimaschutz braucht Mut für neue Wege

Um das selbst gesteckte Klimaziel zu erreichen, gibt es noch viel zu tun. „Ich hoffe, dass es normal wird, über Klimaschutz nachzudenken und sich darüber auszutauschen“, so Mirel, und weiter: „Mit der KIR möchten wir ein Umdenken erreichen und eine Welt schaffen, in der wir guten Gewissens weiterleben können. Dafür braucht es bürgerschaftliches Engagement, die Stadt und die Politik.“

 

Fotos: Salome Roessler

| von Team Frankfurt